Am 18. August 2021 gingen die ersten Bücher auf die Reise. Und damit begann auch die Geschichte von Egon Eichhorn. Wenn ich heute zurückblicke und daran denke, wie alles angefangen hat, wirkt es fast wie ein Traum. Denn ich stand ganz am Anfang. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie eigentlich ein Buch veröffentlicht wird, sondern nur die eine Idee, die mich einfach nicht mehr losgelassen hat.
Mein Schlüsselmoment war am Rhein. Ich habe eine Familie beobachtet, die am Rhein spazieren ging. Ein Kind hielt eine leere Chipstüte in der Hand. Irgendwann ließ es die Tüte einfach auf den Boden fallen. Ein Elternteil sagte daraufhin: „Du kannst sie ruhig liegen lassen.“ Dann ging die Familie weiter.
Da lag nun die Chipstüte und in meinem Kopf kreisten die Gedanken: „Was wäre eigentlich, wenn jeder von uns seinen Müll einfach liegen lassen würde? Wie würde unsere Welt dann aussehen?“
Wenn Tiere erzählen könnten, wie sie unsere Welt erleben
Dieser kleine Moment hat mich beschäftigt. Und irgendwann entstand daraus eine Idee. Warum nicht denjenigen eine Stimme geben, denen wir v: Ich wollte eine Geschichte erzählen, in der nicht wir Menschen die Hauptrolle spielen, sondern die Tiere.
So entstand Egon Eichhorn. Denn ich wollte den Tieren eine Stimme geben, denen wir vielleicht nicht so häufig zuhören. Tiere erleben unsere Umwelt ganz anders als wir. Für uns ist eine herumliegende Chipstüte vielleicht nur Müll. Für ein Tier kann sie jedoch eine Gefahr sein. Ein Stück Plastik, das zur Falle wird. Eine Tüte, die zur Gefahr wird.
Und plötzlich sieht man dieselbe Situation mit anderen Augen. Genau das wollte ich mit Egons Geschichte erreichen: Kinder dazu einzuladen, die Welt einmal aus der Perspektive eines Tieres zu betrachten.
Denn wir sind nicht allein auf diesem Planeten. Wir teilen ihn mit unzähligen anderen Lebewesen. Mit Tieren, Pflanzen und kleinen Wesen, die wir im Alltag oft übersehen. Sie sind vielleicht nicht so groß wie wir, nicht so laut und nicht so präsent. Und sie sprechen natürlich nicht unsere Sprache.
Aber das bedeutet nicht, dass sie nichts zu sagen haben.
Das erste Mal Egon Eichhorn vorlesen – ohne Buch
Die Geschichte von Egon nahm schließlich immer konkretere Formen an. Und dann kam meine allererste Anfrage für eine Lesung. Am 14. Juli 2021 – ausgerechnet an meinem Geburtstag – sollte ich in einer Kita vorlesen. Nur gab es ein kleines Problem: Das Buch war noch gar nicht da. 😊 Also musste ich improvisieren.
Ich hatte die Bilder ausgedruckt und laminiert, hielt sie während der Geschichte hoch und hatte eine Plastiktüte dabei. Mehr brauchte es für meine erste Egon-Eichhorn-Lesung nicht. Die Kinder in der Kita in Jüchen waren mein erstes Publikum. Damals hätte ich natürlich niemals gedacht, wohin mich dieser kleine Anfang einmal führen würde.

Fünf Jahre, unzählige Lesungen und ganz viele Begegnungen
Am 18. August 2021 gingen schließlich die ersten Exemplare von „Egon Eichhorn und der wilde Müll im Wald“ auf die Reise.
Heute, fünf Jahre später, muss ich manchmal selbst ein bisschen staunen, was aus dieser ersten Idee entstanden ist.
Plötzlich wurde ich gefragt, ob ich nicht einmal Kindern vorlesen möchte. Doch wie macht man das überhaupt? Jede Lesung entwickelte sich weiter und jedes Mal baue ich wieder neue Idee ein oder probiere etwas aus. Aus einer Lesung wurden viele weitere.
Mittlerweile darf ich hauptberuflich mit meinen Büchern unterwegs sein, Kindern vorlesen, mit ihnen über Natur und Umwelt sprechen, gemeinsam entdecken, fragen, lachen und manchmal auch ein bisschen nachdenken.
Und dafür bin ich unglaublich dankbar. Denn ich empfinde es als großes Geschenk, mit Kindern arbeiten zu dürfen.
Kindern einen anderen Blick auf unsere Welt mitgeben
Was ich bei meinen Lesungen besonders liebe, sind die Gedanken und Fragen der Kinder.
Sie sehen Dinge oft noch ganz unmittelbar. Sie fragen, warum jemand seinen Müll einfach liegen lässt. Sie wollen wissen, was ein Tier fühlt. Sie überlegen, was man selbst verändern kann.
Und manchmal ist es genau dieser kleine Perspektivwechsel, der etwas in Bewegung bringt. Das ohne den erhobenen Zeigefinger, einfach aufzeigen, warum unsere Natur schützenswert ist.
- Warum ein Wald mehr ist als eine Ansammlung von Bäumen.
- Warum Wildbienen für Obst und Gemüse sorgen.
- Warum Licht in der Nacht für Tiere ein Problem sein kann.
- Warum Müll nicht einfach verschwindet.
Vielleicht führt eine Geschichte dazu, dass ein Kind beim nächsten Spaziergang genauer hinsieht. Vielleicht wird ein Stück Müll aufgehoben, das vorher einfach liegen geblieben wäre. Vielleicht wird eine Wildbiene plötzlich nicht mehr als „kleines Insekt“, sondern als wichtiger Teil unserer Umwelt wahrgenommen.
Wenn das passiert, hat eine Geschichte schon ganz schön viel erreicht.

Hedi Hummel, Kira Koralle und Finn Fledermaus
Nach Egon Eichhorn sind viele weitere Buchfiguren entstanden.
Die Umweltreihe ist gewachsen und mit ihr auch die Themen, die mir wichtig sind.
Heute erzählen meine Geschichten von Müll und Wald, von Fledermäusen und Lichtverschmutzung, von Wildbienen, Korallen und vielen anderen kleinen und großen Bewohnern unserer Erde.
Fünf Jahre Egon Eichhorn
Ich hätte damals nicht gedacht, dass aus diesem Anfangs-Gedanken einmal ein Buch, eine ganze Umweltreihe und schließlich mein Beruf entstehen würde.
Danke, Egon, dass du vor fünf Jahren losgezogen bist und bereits in so viele Bücherregale gehüpft bist. Und danke an all die Kinder, Familien, Kitas, Schulen, Bibliotheken und Veranstalter, die Egon und seine tierischen Freunde seitdem begleitet haben.
Ich bin gespannt, welche Geschichten noch vor uns liegen.



